Unterschiede, Vergleiche von deutschen und britischen (englischen) Versicherungen

 

Statt stille Reserven Gewinnbeteiligung

Seit der Deregulierung des europäischen Lebensversicherungsmarktes zum 1 Juli 1994 können nichtdeutsche Unternehmen ihre Produkte auch in Deutschland anbieten. Nach schwierigen Anfängen ist in letzter Zeit in der Öffentlichkeit eine deutlich höhere Akzeptanz zu verspüren, innvovative Konzepte gelten zu lassen, und auf Eignung für die eigene Bedarfssituation zu prüfen.
Diese Produkte neuer Art werden von britischen Gesellschaften vertrieben, die in Deutschland Niederlassungen eröffnet haben und ihre Dienstleistung in DM/Euro und nach deutschem Recht anbieten. Die wichtigsten Produktmerkmale sind transparente Produktgestaltung, Steuervorteile wie bei herkömmlichen deutschen Produkten und hohe Gewinnbeteiligung.

Eine Gewinnbeteiligung von im Durchschnitt zehn Prozent im Durchschnitt der letzten 5 Jahre sind sicherlich nicht schlecht, verglichen mit der Gewinnbeteiligung von etwa 7 Prozent bei deutschen Lebensversicherern.

Deutsche Gesellschaften investieren traditionell fast ausschließlich in festverzinsliche Wertpapiere. Um so beunruhigender ist daher deren Renditeentwicklung von über neun Prozent von zehn Jahren auf unter fünf Prozent gegenwärtig. Um Ihre Kunden dennoch mit Werten von rund sieben Prozent zufrieden stellen zu können, ist die Branche zunehmend gezwungen, die Bewertungsreserven der im Portfolio gehaltenen Aktien um Immobilien durch Veräußerung dieser Vermögenswerte aufzulösen. Plakativ formuliert muss das Tafelsilber verkauft werden, um die Haushaltskasse einigermaßen gefüllt zu halten.

Briten sind aktienorientiert

Wie ist der eklatante Renditevorsprung britischer Anbieter zu erklären? Die Antwort liegt im Wesentlichen in der Tatsache, daß das Portfolio einer britischen Gesellschaft stark aktienorientiert ist (bis zu etwa 80 Prozent), wohingegen deutsche Unternehmen nur zu rund 10 bis 15 Prozent in Aktien investieren. Zugegebenermaßen sind die Erträge von Aktieninvestments schwankend, über genügend lange Zeiträume betrachtet haben sie stets einen erheblichen Renditevorteil gegenüber Festverzinslichen erzielt.
Um die Volatilität der Aktien auszugleichen, enthält das Portfolio auch festverzinsliche Wertpapiere. Diese Mischung macht es möglich, ein Verfahren anzuwenden, welches als "Smoothing" (Glättung) bezeichnet wird. Hierbei werden den Policen jährliche Bonussätze zugewiesen, welche von den Schwankungen des zugrunde liegenden Portfolios weitgehend abgekoppelt sind. Der Investor erreicht also das Renditeniveau eines solide gemischten Fonds, ohne von dessen Volatilität und damit Ertragsrisiko betroffen zu sein.

Rendite hat Konsequenzen

Es versteht sich, daß das im Vergleich zu konventionellen deutschen Produkten deutlich höhere Renditepotential mit gewissen Konsequenzen verbunden ist. Insbesondere verfügen diese Produkte normalerweise nicht über den bei deutschen Produkten üblichen Rechnungszins. Zu beachten ist allerdings, daß dieser Rechnungszins von 3,25 % nicht auf den gezahlten Beitrag gewährt wird, sondern nur auf den im Vertrag ankommenden Sparanteil, der je nach Kostenquote des Unternehmens erheblich niedriger sein kann. Auch britische Policen gewähren einen Garantiezins, jedoch in der Regel nur rückwirkend nach Abschluß des Geschäftsjahres. Hinzu kommt ein Schlussbonus, der bis zum Vertragsende durch Ablauf oder Tod der zu versichernden Person(en) ungarantiert bleibt.

Sind die Policen nicht zu riskant, verglichen mit konventionellen deutschen Produkten?
Es ist einleuchtend, daß Garantien bedeutungslos sind, solange die tatsächliche Ertragsbeteiligung diese Garantien überschreitet. Ein Blick auf die Entwicklung des Aktienindizes zeigt, dass selbst markante Aktienbaissen im langfristigen Trend ohne Bedeutung waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Investor auf die in seinem Vertrag enthaltenen Garantien "zurückgeworfen" wird, ist daher sehr gering. Die Kosten im Sinne eines Renditenachteils sind jedoch erheblich, wenn hohe Garantien in das Produkt eingearbeitet werden müssen. Britische Kunden wären sehr erstaunt, ein Produkt kaufen zu sollen, welches Garantien enthält, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zum Tragen kommen, in jedem Fall aber einen erheblichen Renditenachteil bescheren.

Sind also deutsche Kunden anders?
In der Vergangenheit hat man diese Frage möglicherweise bejahen müssen. Durch zunehmende Erfahrung mit modernen Investmentstrategien scheint aber auch der deutsche Verbraucher mehr und mehr darauf zu achten, wie seine Anlage real rentiert, und nicht nur, wie sie im schlechtesten aller denkbaren Fälle rentieren würde.

Warum wird dann diese Produktart von deutschen Gesellschaften nicht angeboten?
Hierfür gibt es mehrere Gründe. Obwohl britische Policen deutsches Recht erfüllen, wenn sie von hiesigen Niederlassungen britischer Gesellschaften vertrieben werden, unterliegt sie hinsichtlich ihrer konzeptionellen Gestaltung der britischen Aufsichtsbehörde. Und in Großbritannien ist Produktinnovation nicht erst seit Jahrzehnten sondern bereits seit Jahrhunderten ein absolutes Muß, allein schon wegen des extrem scharfen Wettbewerbs der Anbieter. So ist für britische Lebensversicherungsgesellschaften der Aktienanteil ihres Portfolios nicht beschränkt. Deutsche Gesellschaften dürfen maximal zu 30 Prozent in Aktien investieren, wobei aus den vorstehend erläuterten Gründen ein typisch deutsches Portfolio erheblich unter diesem Grenzwert bleibt.

Wertzuwächse zeitnah ausgezahlt

Selbst wenn nur der heute zulässige Aktienanteil ausgeschöpft würde, hätte ein deutsches Unternehmen mangels Erfahrung dennoch erhebliche Probleme, ein aktiv gemanagtes Portfolio zu steuern, daß es auf Dauer stabile Erträge auf hohem Niveau erzielt. Traditionell werden in Deutschland Wertzuwächse von Aktien in Form stiller Reserven gespeichert, wohingegen britische Unternehmen dieselben Wertzuwächse dazu verwenden, sie ihren Kunden zeitnah als Teil der Gewinnbeteiligung zukommen zu lassen.

Die deutschen Gesellschaften werden ihren ganzen Einfluß geltend machen dieselbe Invesmentfreiheit zu erlangen, die den britischen Konkurrenten ihr überlegenes Renditeniveau ermöglicht. Ob das genügen wird, im Wettbewerb mit den britischen Erfindern dieses Konzeptes zu bestehen, sei dahingestellt.


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